SUCHTBERATUNG? „WIESO? WESHALB? DARUM!“

Im Rahmen des bundesweiten Aktionstages Suchtberatung macht der Therapieverbund Ludwigsmühle auf die prekäre Situation der NIDRO Speyer / Rhein-Pfalz-Kreis aufmerksam.

In diesem Jahr veranstaltet die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) bereits zum vierten Mal ihren „Aktionstag Suchtberatung“ – dieses Mal unter dem Motto „Suchtberatung: Wieso? Weshalb? Darum!“.

In einer Zeit des rasanten Wandels und der Sparzwänge waren die Heraus­forderungen und die Bedeutung der Suchtberatung nie größer als heute. Mit der Cannabis-Legalisierung und dem angekündigten Bundeshaushalt in den Startlöchern stehen Suchtprävention und Suchtberatung enormen gesamtgesellschaftlichen Herausforderungen gegenüber.

Die Zukunft vieler Suchtberatungsstellen in Rheinland-Pfalz ist aufgrund langjähriger Unterfinanzierung bereits jetzt schon ungewiss. Entsprechend der Verwaltungsvorschrift für soziale Beratungsstellen gewähren Land und Kommunen lediglich einen freiwilligen Zuschuss für Personal- und Sachkosten. Die meisten Suchtberatungs­stellen haben daher einen enormen Anteil an Eigenmitteln zu erbringen, der nicht durch eigene Einnahmen aufgefangen werden kann und was letztlich in diese defizitäre Lage führt.

Die Suchtberatungsstelle NIDRO Speyer / Rhein-Pfalz-Kreis in Trägerschaft der Therapieverbund Ludwigsmühle gGmbH besteht bereits seit ca. 30 Jahren. Sie war damit die erste Beratungsstelle des Trägers. Seit den 1990er Jahren berät sie Menschen in Suchtfragen und hat mit der Zeit die Schwerpunkte illegale Drogen, frauenspezifische Suchthilfe, Glücksspiel und Medienabhängigkeit herausgearbeitet. Sie unterstützt Angehörige und Betroffene im Weg aus teils schwerwiegenden Suchtproblematiken.

Martin Hügel, Leiter des Beratungsstellenverbundes NIDRO, führt dazu aus: „In den letzten 5 Jahren konnten 3.421 Menschen in rund 11.000 Gesprächen beraten werden. Darüber hinaus leistet sie mit Präventionsveranstaltungen vor allem in Schulen einen wichtigen Beitrag zur Vorbeugung. Leider wird in den letzten Jahren das Thema der Finanzierung von Suchtberatung auch hier immer drängender.“

Sorgen macht dem Therapieverbund vor allem die Co-Finanzierung durch den Landkreis Rhein-Pfalz-Kreis. Diese ist seit knapp 30 Jahren eingefroren und wurde trotz immensen Personal- und Sachkostensteigerungen nie erhöht. Das erhöht das Defizit der Beratungsstelle NIDRO Speyer / Rhein-Pfalz-Kreis mittlerweile so sehr, das die Existenz gefährt ist.

„Bereits Ende des Jahres 2020 hatten wir Hr. Landrat Körner und auch Fr. Beigeordnete Bianca Staßen auf diese Problemlage aufmerksam gemacht und um eine Erhöhung der kommunalen Förderung gebeten,“ erläutert Dr. Dirk Gastauer, Geschäftsführer des Therapieverbundes Ludwigsmühle. „Die Stadt Speyer hat mittlerweile zwar ihre Förderung erhöht und dynamisiert. Der Rhein-Pfalz-Kreis hat aber leider mehrfach ablehnend auf unseren Antrag reagiert, zuletzt im Juli 2023. Auch Anfragen aus der Landespolitik, u.a. von Hr. Martin Haller, MdL, sind bislang fruchtlos geblieben. Ohne eine Erhöhung der Förderung durch den Rhein-Pfalz-Kreis, werden wir die Beratungsstelle verkleinern oder gar schließen müssen.“

Suchtberatung ist derzeit nicht nur wegen der anstehenden Cannabis-Legalisierung wichtiger als je. Suchtberatungsstellen sind die wichtigste Anlaufstelle für die Vermittlung in Suchttherapie und in Suchtselbsthilfegruppen, für die Prävention in den Kommunen und die psychosoziale Beratung bei Suchtfragen. Sie befinden sich in der Regel in gemeinnütziger, teilweise auch in kommunaler Trägerschaft. Ohne Suchtberatungsstelle fehlt im kommunalen Hilfenetz ein wichtiger Baustein.

Am 16.11.2023 haben Mitarbeitende der NIDRO Speyer / Rhein-Pfalz-Kreis eine Aktion anlässlich des Aktionstages vor der Kreisverwaltung in Ludwigshafen durchgeführt, um über ihre Arbeit zu informieren und für eine Erhöhung der Förderung kämpfen. Dabei malen Sie mit Sprühkreide proportional die Anzahl an Klient*innen um den Infostand, die jedes Jahr die Suchtberatung aufsuchen (in 2023 542 Menschen in der NIDRO Speyer / RPK). Einige Bilder von der Aktion finden Sie weiter unter auf dieser Seite.

Ebenfalls finden Sie einige Fotos der NIDRO Neustadt, deren Mitarbeitende am gleichen Tag ebenfalls eine Aktion in Neustadt a.d. Weinstraße durchgeführt haben, um auf die Notwendigkeit von Suchtberatungsstellen aufmerksam zu machen.

Mehr Informationen über unsere NIDRO Beratungsstellen finden Sie in unserem Jahresbericht 2022 oder auch auf der Webseite der NIDRO.

    

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